06.02.2014
von Dr. Ulrich Kilian | Klett MINT | #mintmagazin

Ein Astronaut mit Leib und Seele

Einen Teil ihrer Attraktivität verdankt die Astronomie ganz sicher der Raumfahrt. Der erste Satellit, die Mondlandung, die Spaceshuttle-Flüge – jetzt denkt man über einen Flug zum Mars nach. Der deutsche Astronaut Ulf Merbold war 1983 der erste Westdeutsche im All, 1992 und 1994 folgten zwei weitere Aufenthalte im Weltraum. Life+science sprach mit ihm über die Raumfahrt.

Warum sollte der Mensch zum Mars reisen?

Ulf Merbold: Das ist die Fortsetzung der Entdeckungsreisen, die unsere Vorfahren unternommen haben. Marco Polo, Christoph Columbus und Vasco da Gama per Schiff, David Livingstone in Afrika, oder denken wir an die Polarforscher: Sie alle gingen dorthin, wo vorher noch niemand war, und wenn sie zurückkehrten, brachten sie ihrer Gesellschaft immer neue Erkenntnisse und Einsichten mit. Warum damit aufhören?

 

Welche zukünftigen Raumfahrtprojekte finden Sie besonders spannend? Sollte man sich angesichts einer immer schwierigeren Finanzierung auf bestimmte Projekte konzentrieren und noch stärker international zusammenarbeiten?

Dass uns die Raumfahrt übermäßig viel Geld koste, ist ein Vorurteil, das in den Medien immer wieder vorgebracht wird. Im aktuellen Bundeshaushalt stehen ca. 800 Mio. Euro für Weltraumprojekte zur Verfügung – das ist minimal. Solange die EU die Hälfte ihres Budgets (dieses Jahr liegt es bei 133,8 Mrd. Euro) für Landwirtschaft ausgibt, verbietet sich eigentlich eine Klage über die angeblich so teure Raumfahrt.

Was die internationale Zusammenarbeit angeht, ist diese mit der Internationalen Raumstation ISS schon längst realisiert. Ihr Weiterbetrieb ist beschlossen, sonst würde das eine Investitionsruine. Wir könnten den Gebrauchswert der ISS aber steigern, wenn wir eine größere Kapsel hätten als die Sojus, die zurzeit allein als „Rettungsboot“ zur Verfügung steht, aber im schlimmsten Fall nur drei Astronauten evakuieren kann. Weil die Raumstation immer größer wurde, fielen auch immer mehr „Hausmeistertätigkeiten“ an; die Zeit für Wissenschaft, der eigentliche Nutzen der ISS, wurde hingegen immer knapper. Eine Kapsel beispielsweise für sechs Personen wäre ein lohnendes Projekt für die Europäer und würde sie auch nicht mehr davon abhängig machen, dass die Amerikaner oder Russen sie mit hinauf nehmen. Für die fernere Zukunft sollten wir uns auch an visionären Projekten wie dem Marsflug beteiligen.

Ein außergewöhnlich wichtiges Projekt ist die Weiterführung des Erdbeobachtungsprogramms mit Satelliten. Die Weltbevölkerung und die Belastung der Natur nehmen immer weiter zu, und hier ist die Wissenschaft gefordert, die genauen Abläufe auf der Erde und die Belastungsgrenzen zu erforschen, um den Gesetzgebern für Vereinbarungen, etwa im Klimaschutz, harte Fakten an die Hand geben zu können. Schließlich gibt es die vielen faszinierenden Projekte und Themen in der Astronomie – ich hoffe, dass dafür Mittel übrig bleiben, weil eine intakte Gesellschaft diese Erkenntnisgewinne braucht, auch wenn sich damit kein Geld verdienen lässt.

 

Würden Sie Astronomie als Schulfach befürworten?

Im Rahmen des Physikunterrichts sicher, als eigenes Fach scheitert es aber sicher an der Realität. Als ich in die Schule ging, hatten wir mit Herrn Spindler einen rührigen Physiklehrer, der außerhalb des normalen Unterrichts eine Physik-AG angeboten hat, zu der wir nachmittags alle freiwillig hingegangen sind. Das Thema Schule in dieser Gesellschaft ist für mich generell ein wunder Punkt. Wenn man sieht, wie schlecht viele Schulen ausgestattet sind, könnte man sich die Haare raufen.

 

   Weitere Informationen:

   Tolle Infos zu Astronomie und Raumfahrt: dlr.de   

   Hier findet ihr grandiose Fotos

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